Eine der Königsdisziplinen der Zerspanung ist das Tieflochbohren. Auf einem CNC-Bearbeitungszentrum (BAZ) lassen sich in mehreren Arbeitsschritten und mit unterschiedlichen Werkzeugen Bohrlöcher mit bis zu 120 xD Tiefe herstellen. Doch dabei gilt es einiges zu beachten, um das Risiko für Mittenverlauf und Werkzeugbruch möglichst klein zu halten. Wir erklären, wie Sie in vier Schritten zur perfekten Tieflochbohrung gelangen.

Tieflochbohrer Definition

​Ein Tieflochbohrer ist ein Zerspanungswerkzeug, mit dem Bohrungen ab einer Bohrtiefe von 10 mal Durchmesser hergestellt werden. Aber auch kleinere Bohrtiefen sind mit diesem überlangen Bohrer möglich. Mit Tieflochbohrern werden hohe Bohrungsqualitäten erzielt, wodurch weitere Bearbeitungsschritte wegfallen.

Es gibt drei Arten von Tieflochbohrern: Einlippenbohrer sind an ihrem asymmetrischen und einschneidigen Aufbau erkennbar. Mit ihnen lassen sich besonders passgenaue Bohrungen erzielen. Mit einem Zweilippenbohrer können hingegen höhere Vorschübe gefahren werden. Dieser Bohrer findet zum Beispiel Anwendung in kurzspanendem Aluminium und Gusseisen. Der Tiefloch-Spiralbohrer zeichnet sich durch seinen spiralisierten und zweischneidigen Aufbau aus. Er bewährt sich besonders in harten Materialien wie Stahl und Grauguss.

Beim Tieflochbohren wird das Kühlmedium von innen zugeführt. Das gewährleistet eine effektive Kühlung und einen sicheren Späneabtransport. Beim Einlippenbohrer wird der Kühlschmierstoff zusammen mit den Spänen in der V-förmigen Nut (Sicke) des Bohrerschaftes aus der Bohrung herausgeführt. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass genügend Kühlschmierstoff und ausreichend Druck vorhanden ist.

Achtung: Sämtliche Tieflochbohrer müssen beim Anbohren geführt werden. Tieflochbohrer dürfen nie mit voller Drehzahl frei im Maschinenraum bewegt werden.

Wichtig beim Tieflochbohren: Kühlung

Schritt 1: Erstellen einer Pilotbohrung

Um eine Tieflochbohrung auf einem Bearbeitungszentrum herzustellen, ist eine Pilotbohrung notwendig. Diese ist zwischen 1,5xD und 3xD tief und dient zur Führung des Tieflochbohrers. Bei zu geringer Führung neigt der Bohrer dazu, sich durchzubiegen.

 

Schritt 2: Einfahren in die Pilotbohrung

Der Tieflochbohrer fährt im Linkslauf langsam in die Pilotbohrung ein. Dazu stellen Sie die Maschine so ein, dass mit ca. 200 Umdrehungen und einem Vorschub von ca. 500 mm pro Minute gebohrt wird.

Schritt 3: Tieflochbohrung erstellen

Stellen Sie den Kühlschmierstoffdruck und die Drehzahl ein. Anschließend schalten Sie die Kühlung, die Spindeldrehzahl und den Vorschub ein und bohren die Bohrung kontinuierlich ohne zu entspahnen.

 

Schritt 4: Tieflochbohrer ausfahren

Wenn die gewünschte Bohrtiefe erreicht ist, schalten Sie das Kühlschmiermittel und die Drehzahl ab. Das Werkzeug wird mit stehender Spindel und erhöhtem Vorschub aus der Bohrung herausgezogen.

Den kompletten Prozess sehen Sie im Video:

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Einlippenbohrer Gühring?

Gühring bietet Werkzeuge zum Tieflochbohren bis 3000 mm. Im Programm finden sich sowohl Einlippenbohrer als auch Zweilippenbohrer und spiralisierte Tieflochbohrer. Dabei sind Durchmesser von 0,9 mm im Bereich der Mikrozerspanung bis hin zu 52,0 mm möglich.

Einlippenbohrer Vorteile

Einlippenbohrer dienen zur Herstellung von tiefen und präzisen Bohrungen. Die Vorteile beim Einsatz eines Einlippenbohrers sind hohe Oberflächengüten, eine optimierte Ausrichtung des Werkzeugs und eine hohe Rundlaufgenauigkeit.

Einlippenbohrer schleifen?

Wie bei jedem Zerspanungswerkzeug kommt es auch an Einlippenbohrern irgendwann zu Verschleiß. Die Schärfe lässt nach und damit auch die Präzision der Bohrungen. Der Nachschleifservice von Gühring nimmt Ihnen dann gerne das Nachschleifen Ihres Werkzeugs ab.

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